Sprache

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Spra|che ['ʃpra:xə], die; -, -n:
1. <ohne Plural> das Sprechen; die Fähigkeit zu sprechen:
durch den Schock verlor er die Sprache; die Sprache wiederfinden.
2. System von Zeichen und Lauten, das von Angehörigen einer bestimmten sozialen Gemeinschaft (z. B. von einem Volk) in gesprochener und geschriebener Form als Mittel zur Verständigung benutzt wird:
die deutsche, englische, russische Sprache; er beherrscht mehrere Sprachen; einen Text in eine andere Sprache übersetzen; eine lebende, tote Sprache.
Zus.: Bantusprache, Gaunersprache, Geheimsprache, Indianersprache, Welthilfssprache, Zeichensprache.
3. Art zu sprechen, zu formulieren:
seine Sprache ist sehr lebendig, poetisch, nüchtern; sie schreibt in der Sprache des einfachen Volkes; die Sprache Goethes.
Syn.: 1 Ausdruck, Ausdrucksweise, Diktion, Stil.
Zus.: Bergmannssprache, Jägersprache, Jugendsprache, Kindersprache, Schülersprache, Seemannssprache, Soldatensprache, Studentensprache, Vulgärsprache.

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Spra|che 〈f. 19
1. System von Lauten, die durch Atemluft u. Sprechwerkzeuge des Menschen hervorgebracht werden u. zum Ausdruck von Gedanken, Gefühlen, Willensregungen usw. dienen, wichtigstes Verständigungsmittel der Menschen untereinander
2. Lautsystem einer menschl. Gemeinschaft (Landes\Sprache, Volks\Sprache)
3. Redeweise der Angehörigen eines Berufs od. einer sozialen Gemeinschaft (Bergmanns\Sprache, Kaufmanns\Sprache, Gauner\Sprache, Geheim\Sprache)
4. Fähigkeit zu sprechen
5. System von Gebärden, Zeichen, die der Verständigung dienen (Gebärden\Sprache, Gehörlosen\Sprache, Zeichen\Sprache)
6. die Art, sich schriftlich od. mündlich auszudrücken, Stil
7. 〈fig.〉 lebendiger, stummer Ausdruck (Augen\Sprache)
8. Laut- u. Signalsystem der Tiere (Tier\Sprache, Hunde\Sprache, Vogel\Sprache)
● der Bau einer \Sprache; er ist ein Meister der \Sprache; die Regeln der \Sprache ● fünf \Sprachen beherrschen; die \Sprache auf einen Vorfall, ein Ereignis, ein Problem bringen davon zu sprechen beginnen; dieser Schriftsteller hat, schreibt eine schöne \Sprache; eine deutliche \Sprache sprechen sich unmissverständlich, energisch ausdrücken; hast du die \Sprache verloren? 〈umg.〉 warum sagst du nichts?; er hat vor Schreck die \Sprache verloren 〈fig.〉 er kann vor Sch. nicht sprechen; vor Schreck hat es mir die \Sprache verschlagen ich war sprachlos; wiederfinden: endlich fand er nach dem Schreck die \Sprache wieder ● alte \Sprachen S. des Altertums; sie sagte nichts, aber ihr glückliches Gesicht sprach eine deutliche \Sprache ließ auch, ohne dass sie etwas sagte, erkennen, was sie dachte, fühlte; bilderreiche \Sprache; die deutsche, englische \Sprache; einwandfreie, elegante, gehobene, gepflegte, reine \Sprache; fremde \Sprachen lernen; lebende \Sprachen S., die heute noch gesprochen werden; tote \Sprachen S., die heute nicht mehr gesprochen werden u. nur in Sprachdenkmälern überliefert sind, z. B. Latein ● jmdn. an seiner \Sprache (als Engländer, Franzosen) erkennen; einen Text, ein Buch aus einer \Sprache in die andere übersetzen, übertragen; er will nicht mit der \Sprache heraus(rücken) er will nicht darüber sprechen; nun heraus mit der \Sprache! sprich!; etwas zur \Sprache bringen von etwas zu sprechen beginnen, um es zu erörtern; auch der Vorfall von gestern kam zur \Sprache es wurde auch über den V. von gestern gesprochen [<ahd. sprahha <germ. *spreko-;sprechen]

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Spra|che , die; -, -n [mhd. sprāche, ahd. sprāhha, auch: Rede; Beratung, Verhandlung; zu sprechen]:
1. <o. Pl.> Fähigkeit des Menschen zu sprechen; das Sprechen als Anlage, als Möglichkeit des Menschen sich auszudrücken:
die menschliche S.;
S. und Denken;
jmdm. bleibt die S. weg/verschlägt es die S. (jmd. ist sehr überrascht, weiß nicht, was er sagen soll);
jmdm. die S. verschlagen/(geh.:) rauben (jmdn. sehr überraschen, für jmdn. kaum zu fassen sein).
2. <o. Pl.> das Sprechen; Rede:
die S. auf etw. bringen/etw. zur S. bringen (etw. zum Thema des Gesprächs machen, von etw. zu sprechen beginnen);
mit der S. [nicht] herausrücken/herauswollen (etw. Bestimmtes gar nicht, nur zögernd sagen, erzählen, eingestehen);
heraus mit der S.! (ugs.; nun sprich schon!, nun sag es schon!, nun gib es schon zu!);
zur S. kommen (erörtert werden).
3.
a) Art des Sprechens; Stimme, Redeweise:
eine flüssige S.;
ihre S. klingt rau;
man erkennt ihn an der S.;
der S. nach stammt sie aus Berlin;
b) Ausdrucksweise, Stil:
eine schlichte, gehobene, bilderreiche, poetische, geschraubte, gezierte, [un]verständliche S.;
die S. der Dichtung, der Werbung, der Gegenwart, des vorigen Jahrhunderts;
seine S. ist ungehobelt, ungelenk, ordinär;
die Jugend hat ihre eigene S.;
ein Ausdruck aus der S. der Jäger;
eine deutliche/unmissverständliche S. [mit jmdm.] sprechen/reden ([jmdm.] offen, unverblümt, energisch seine Meinung sagen);
eine deutliche S. sprechen ([von Sachen] etw. meist Negatives, was nicht ohne Weiteres erkennbar, zu sehen ist, offenbar werden lassen).
4.
a) (historisch entstandenes u. sich entwickelndes) System von Zeichen u. Regeln, das einer Sprachgemeinschaft als Verständigungsmittel dient; Sprachsystem:
die lateinische, englische S.;
lebende und tote, neuere und ältere -n;
die afrikanischen -n;
Französisch ist eine schöne, klangvolle S.;
Deutsch gilt als schwere S.;
mehrere -n sprechen, beherrschen;
sie unterhalten sich in englischer S.;
etw. in eine andere S. übersetzen;
Ü die S. des Herzens, der Liebe, der Leidenschaft;
die S. (Verständigung mithilfe bestimmter Signale) der Bienen, der Buckelwale;
dieselbe/die gleiche S. sprechen/reden (dieselbe Grundeinstellung haben u. sich deshalb gut verstehen);
eine andere S. sprechen/reden (etw. ganz anderes, Gegensätzliches ausdrücken, zeigen);
in sieben -n schweigen (scherzh.; sich überhaupt nicht äußern; [bei einer Diskussion] stummer Zuhörer sein);
b) System von Zeichen (das der Kommunikation o. Ä. dient):
die S. der [formalen] Logik.

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I
Sprache,
 
im engeren Sinn Bezeichnung für die natürliche Sprache des Menschen, im weiteren Sinn Bezeichnung für Kommunikationssysteme unterschiedlicher Art: außer der natürlichen menschlichen Sprache die künstlichen Sprachen wie Welthilfssprachen (u. a. Esperanto), formale logische Sprachen (Kalkülsprachen) und Programmiersprachen, aber auch Kommunikationssysteme von Tieren (Tiersprache) sowie mit Symbolen arbeitende Zeichensprachen (u. a. Gebärdensprache, Morsealphabet); teilweise auch im Zusammenhang mit nichtsymbolischer Kommunikation oder in metaphorischem Gebrauch (Körpersprache, Sprache der Musik).
 
Eine allgemein gültige Definition gibt es weder für Sprache im engeren Sinn noch für Sprache im weiteren Sinn. Alle bisherigen Definitionen gehen jeweils nur von bestimmten Aspekten des komplexen Phänomens Sprache aus: So hat man Sprache u. a. als Mittel zum Ausdruck von Gedanken und Gefühlen, als wichtigstes und artspezifisches Kommunikationsmittel des Menschen, als strukturiertes System von Zeichen, als internalisiertes System von Regeln, als Menge der Äußerungen in einer Sprachgemeinschaft oder als Werkzeug des Denkens definiert.
 
 Sprache im engeren und weiteren Sinne
 
Charakteristisch für Sprachen im engeren wie im weiteren Sinne ist, dass Inhalte durch den Gebrauch symbolischer Zeichen übermittelt werden, dass mit symbolischen Zeichen kommuniziert wird, das heißt mit Zeichen, deren Bedeutung arbiträr ist, das heißt auf einer Konvention, einer üblichen Praxis beruht. Sprachliche Kommunikation unterscheidet sich insofern von solchen Fällen, in denen Informationen aufgrund einer kausalen Beziehung erschlossen werden können (Letzteres ist z. B. bei einem beschleunigten Pulsschlag als Anzeichen - die Semiotik spricht von Index oder indexikalischen Zeichen - für Fieber gegeben). Bei Sprachen liegen aber auch andere Verhältnisse vor als bei solchen Zeichen, bei denen die Information durch eine Ähnlichkeitsbeziehung vermittelt wird, wie z. B. bei Verkehrs- und Hinweisschildern, Landkarten oder bestimmten Gesten (Ikon, ikonisches Zeichen).
 
Während die Eigenschaft der natürlichen Sprache, sich symbolischer Zeichen zu bedienen, auch für Sprache im weiteren Sinn Gültigkeit hat, erfordern es andere Eigenschaften von natürlicher menschlicher Sprache, sie als Sprache im engeren Sinn von Sprache im weiteren Sinn abzugrenzen. So unterscheidet sich menschliche Sprache von tierischen Sprachen (Kommunikationssystemen) zumindest in folgenden Hinsichten: 1) Menschliche Sprache ist situationsungebunden, das heißt mit menschlicher Sprache kann man sich (anders als bei tierischer Kommunikation) nicht nur auf die Gegenwart, sondern auch auf Vergangenheit und Zukunft beziehen, ebenso auf Dinge, die von der Äußerungssituation weit entfernt sind, unter Umständen nicht einmal existieren; 2) in menschlicher Sprache besteht im Unterschied zu Tiersprachen die Möglichkeit, begriffliche Verallgemeinerungen durch Symbole auszudrücken, sowie 3) die Möglichkeit, die Sprache selbst zum Gegenstand des Sprechens zu machen, das heißt metasprachliche Urteile zu formulieren. Ob beide sich darüber hinaus - wie oft behauptet wird - auch dadurch voneinander unterscheiden, dass tierische Kommunikation nur instinktgeleitetes Reiz-Reaktions-Verhalten, aber nicht vom Willen gesteuert (intentional) ist und dass Tiersprachen nicht erlernt werden müssen, sondern angeboren sind, ist umstritten. Über den wichtigsten Unterschied zwischen menschlichen Sprachen und Tiersprachen gibt es jedoch keinen Dissens. Während in tierischen Kommunikationssystemen jeweils ein Ausdruck mit einem bestimmten Inhalt verbunden ist und eine nicht weiter zerlegbare Einheit bildet, sind Ausdrücke menschlicher Sprache auch intern strukturiert: Sätze bestehen aus kleineren Einheiten (Phrasen, Satzgliedern), diese wiederum aus Wörtern, Wörter aus kleinsten bedeutungstragenden Einheiten, den Morphemen, und diese schließlich aus nicht bedeutungstragenden, sondern nur bedeutungsdifferenzierenden lautlichen beziehungsweise graphischen Einheiten, den Phonemen beziehungsweise Graphemen (zweifache Gliederung, doppelte Artikulation). Menschliche Sprache ist also im Unterschied zu tierischen Kommunikationssystemen hierarchisch aufgebaut, das heißt, aus einer endlichen Anzahl von Einheiten lassen sich nach bestimmten Kombinationsregeln jeweils Einheiten einer höheren Ebene bis hin zur unendlichen Anzahl komplexer sprachlicher Ausdrücke bilden. Dieses spezifische Merkmal menschlicher Sprache bezeichnet man als Kreativität. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Sprache im engeren Sinn auch von anderen Zeichensprachen, bei denen sich die einzelnen Symbole nicht weiter in nicht bedeutungstragende Einheiten zerlegen lassen.
 
Die entscheidende Differenz natürlicher Sprachen zu künstlichen Sprachen liegt in ihrer Entstehung. Während natürliche Sprachen historisch gewachsen sind, verdanken künstliche Sprachen ihre Existenz einer willkürlichen, durch bestimmte Interessen motivierten Setzung: Welthilfssprachen (wie z. B. Esperanto) wurden und werden geschaffen, um einer besseren internationalen Verständigung über alle Einzelsprachen hinweg zu dienen. Formale Sprachen ermöglichen durch ihre spezifischen Eigenschaften (Eindeutigkeit, Explizitheit und leichte Überprüfbarkeit) die bessere Behandlung von Problemen in vielen Wissenschaften (Logik, Mathematik, Natur-, aber auch Geisteswissenschaften), sind aber auch als Programmiersprachen zur Formulierung von Aufgaben und Problemlösungen in einem für Computer zugänglichen Format unverzichtbar.
 
Sprache umfasst jedoch nicht nur insofern unterschiedliche Begriffe, als zwischen Sprache im weiteren Sinn und Sprache im engeren Sinn als natürlicher Sprache zu unterscheiden ist, sondern auch insofern, als auch mit Sprache im engeren Sinn Unterschiedliches gemeint sein kann: Wenn man z. B. sagt, jemand beherrsche vier Sprachen, so versteht man dabei unter Sprache ein bestimmtes Sprachsystem (von F. de Saussure als Langue bezeichnet). Wenn man davon spricht, dass Sprache von grundlegender Bedeutung für jegliche menschliche Gesellschaft sei, bezieht man sich mit Sprache auf »Sprache an sich«, die »Sprachfähigkeit« (Langage). Und in einem Satz wie »Ich brauche diesen Kassettenrecorder, um Sprache aufzuzeichnen« geht es um Sprache im Sinne von »Sprechen«, um sprachliche Äußerungen, um die konkrete Verwendung von Sprache (Parole). Auf ähnliche Weise unterscheidet die generative Grammatik zwischen Kompetenz als dem Verfügen über ein bestimmtes Sprachsystem und Performanz als der Ebene der aktuellen Verwendung einer Sprache.
 
 Sprache als System
 
Natürliche Sprachen sind hierarchische Systeme, das heißt Systeme aus Einheiten, die mit anderen Einheiten zu komplexeren Einheiten zusammengefügt werden können. Den verschiedenen Ebenen entsprechend geht man von verschiedenen Teilsystemen aus, die jeweils aus spezifischen Einheiten sowie aus Regeln für die Kombination dieser Einheiten bestehen. Die kleinsten Einheiten sind die Laute beziehungsweise (bezogen auf das System der jeweiligen Sprache) die Phoneme. Verschiedene Sprachen unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich des Inventars von Lauten (im Deutschen gibt es z. B. anders als im Französischen keine nasalierten Vokale und anders als im Englischen keinen th-Laut), sondern auch hinsichtlich der systematischen Funktion von Lauten; auch die Art und Weise der Kombination der Phoneme zu Silben und schließlich zu Wörtern ist einzelsprachspezifisch. Dem Lautsystem einer Sprache, das Gegenstand der Phonologie ist, steht (da Sprache nicht nur gesprochen, sondern auch geschrieben realisiert wird) das Schriftsystem gegenüber, mit dem sich die Graphemik beschäftigt. Die kleinsten Einheiten dieses Teilsystems sind die Buchstaben (Graphe) beziehungsweise Grapheme, für die gleichfalls sprachspezifische Kombinationsregeln bestehen.
 
Die nächsthöheren Einheiten nach den Phonemen und den Graphemen sind die Morpheme, die nach bestimmten Regeln zu Wörtern beziehungsweise Wortformen kombiniert werden können. Diese Regeln gehören zum morphologischen Teilsystem, dem häufig der Bereich der Wortbildung zugerechnet wird. Aus Wörtern werden schließlich über Wortgruppen (Phrasen) beziehungsweise Satzglieder Sätze aufgebaut, deren Struktur das syntaktische System einer Sprache regelt. Die Regeln der Syntax beziehen sich darauf, welche Wörter auf welche Weise mit anderen Wörtern oder Wortgruppen zu größeren Einheiten bis hin zu Sätzen kombiniert werden können; alle Wörter einer Sprache lassen sich hinsichtlich ihrer syntaktischen Eigenschaften zu einer begrenzten Anzahl von Kategorien (Wortarten) zusammenfassen. Ob Sätze die größten Einheiten des Sprachsystems ausmachen oder noch größere Einheiten anzusetzen sind, ist umstritten (Letztere untersucht die Textlinguistik). Alle Einheiten von den Morphemen aufwärts sind Einheiten, die nicht nur formale Eigenschaften haben, sondern auch eine Bedeutung aufweisen. Die Bedeutungen der sprachlichen Ausdrücke einer Sprache bilden das semantische Teilsystem, wobei die Semantik einerseits mit der Bedeutung von Wörtern einschließlich ihrer Beziehungen zueinander (lexikalische Semantik), andererseits Aufbau der Bedeutung von Wortgruppen und Sätzen aus den Bedeutungen der jeweiligen Teile (Satzsemantik) untersucht.
 
Gebräuchlich ist auch die Unterscheidung des Systems einer Sprache in Grammatik und Lexikon, wobei unter Grammatik das Regelsystem, unter Lexikon der Wortschatz einer Sprache verstanden wird. Allerdings gehen die Meinungen darüber auseinander, was der Grammatik und was dem Lexikon angehört.
 
 
Das Verfügen über eine oder mehrere Sprachen ist in der allgemeinen Sprachfähigkeit des Menschen als einer genetisch verankerten, auf organischen und kognitiven Grundlagen beruhenden Fähigkeit begründet. Diese Grundlagen umfassen einerseits die physiologischen Voraussetzungen zum Sprechen und Hören sowie die entsprechenden Voraussetzungen zum Schreiben und Lesen, andererseits die neurologische, im Gehirn lokalisierte kognitive Ausstattung, die dem Menschen das Erlernen von Sprachen sowie die Produktion und Rezeption sprachlicher Äußerungen ermöglicht. Es bestehen sehr unterschiedliche Positionen hinsichtlich der Fragen, inwieweit diese kognitive Ausstattung sprachspezifisch ist, inwieweit die Fähigkeit zur Sprache auf allgemeine kognitive Fähigkeiten zurückgeführt werden kann und ob der Spracherwerb dementsprechend isoliert oder aber nur im Rahmen der allgemeinen kognitiven Entwicklung betrachtet werden muss. In der generativen Grammatik geht man davon aus, dass der Mensch über angeborene sprachspezifische Fähigkeiten und Erwerbsmechanismen verfügt, das heißt über eine latente Sprachstruktur (Universalgrammatik), die im Spracherwerbsprozess als einzelsprachliche Kompetenz aktualisiert und realisiert wird, während man besonders im Rahmen funktionalistischer Sprachauffassungen den Spracherwerb als einen Lernprozess innerhalb der allgemeinen kognitiven Entwicklung sieht, zu der auch der Prozess der Sozialisation einen wichtigen Beitrag leistet.
 
 
Das Verfügen über eine einzelsprachliche Kompetenz ist jedoch noch nicht ausreichend, um sprachliche Äußerungen produzieren und verstehen zu können. Wenn man sprachliche Äußerungen als Handlungen in einem bestimmten kommunikativen Zusammenhang auffasst, so sind außer der Sprachkenntnis mindestens noch folgende Kenntnisse nötig: 1) unser Weltwissen, und zwar sowohl Wissen in Bezug auf die jeweilige Äußerungssituation (Situationswissen) als auch allgemeines, enzyklopädisches, begriffliches Wissen (wo genau die Grenze zwischen sprachlichem und Weltwissen liegt, ist strittig); 2) kommunikative Kompetenz, das heißt Wissen über die verschiedenen sprachlichen Handlungen, über Regularitäten der Text- und Gesprächsorganisation, über bestimmte allgemeine Prinzipien, die Kommunikation zugrunde liegen (Konversationsmaximen), und Ähnliches; 3) allgemeine kognitive Fähigkeiten, wie z. B. die Fähigkeit, Schlüsse ziehen zu können.
 
Während diese Kenntnisse und Fähigkeiten für das spezifische Verständnis einer sprachlichen Äußerung notwendig sind, kommen noch weitere Faktoren hinzu, wenn man auch die allgemeinen Voraussetzungen bei jeglichem Gebrauch von Sprache, bei Sprachproduktion und Sprachrezeption (Sprachperzeption, Sprachverstehen) mit einbezieht und damit auch Fragen, die immer schon als Probleme des Verhältnisses von Sprache und Denken diskutiert wurden: Bei der Sprachproduktion die kognitiven Voraussetzungen für das Konzipieren von Vorstellungen, Ideen und Absichten (die Sprechplanung), für das Speichern und Abrufen sprachlicher Kenntnisse sowie die Grundlagen für die neuromotorischen Prozesse im Gehirn, die die Artikulations- beziehungsweise Schreibvorgänge in Gang setzen und kontrollieren; bei der Sprachrezeption die neurophysiologische und kognitive Basis für die Wahrnehmung und Dekodierung der jeweiligen sprachlichen Äußerung sowie ihre Einbettung in den Gesamtkontext beziehungsweise das konzeptuelle Wissen des Rezipienten. Es ist derzeit umstritten, ob die für die Sprachproduktion und -rezeption notwendigen Faktoren in Form von autonomen Systemen (Modulen, Modularität) miteinander interagieren oder ob sie in Form vernetzter Elemente bei parallel ablaufenden Verarbeitungsvorgängen (Konnektionismus) wirksam werden.
 
 Funktionen von Sprache
 
Die zentrale Funktion von Sprache ist die kommunikative Funktion - die Vermittlung von Gedanken, der Austausch von Fakten, Ansichten und Wünschen. Beim Aufzeichnen von Fakten (u. a. in Grundbüchern, historischen Schriftstücken, Datenbanken) handelt es sich zwar um eine verwandte, letztlich aber doch nicht kommunikative Funktion; Sprache dient hier eher dem Aufbau eines Wissensspeichers als Grundlage einer Gesellschaft beziehungsweise Kultur. Gänzlich unkommunikativ ist die Funktion von Sprache als Werkzeug des Denkens; welche Rolle die Sprache hier letztlich übernimmt, hängt allerdings von der jeweiligen Einschätzung des Verhältnisses von Sprache und Denken ab, das heißt, ob Sprache und Denken identisch oder voneinander zu trennen sind, und, im zweiten Fall, ob Sprache vom Denken oder Denken von der Sprache abhängig ist oder (die heute am häufigsten vertretene Auffassung) beide wechselseitig voneinander abhängen. Aufgrund ihrer zentralen Rolle in der Kommunikation und sozialen Interaktion kommt Sprache eine entscheidende Funktion innerhalb jeder menschlichen Gesellschaft zu, und insofern die persönliche Identität eines Individuums u. a. auch durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe geprägt wird, hat Sprache auch eine identitätsstiftende Funktion.
 
Neben den bisher genannten Funktionen kann Sprache auch dem Ausdruck von Gefühlen dienen (eine emotive beziehungsweise expressive Funktion haben), so u. a. bei Flüchen, bei Äußerungen des Erstaunens, der Freude, der Furcht oder wenn zusätzlich zur Vermittlung von Gedanken noch bestimmte Gefühle zum Ausdruck gebracht werden, etwa durch emotional besetzte Wörter, eine besondere Intonation oder Akzentuierung. In anderen Fällen wiederum hat Sprache nur die Funktion, eine bestimmte soziale Situation herzustellen oder zu erhalten; diese Funktion von Sprache, die der Aufrechterhaltung des zwischenmenschlichen Kontakts dient, wird oft als phatische Funktion bezeichnet. Von anderen Funktionen sei nur die magische Funktion erwähnt, die Sprache von vielen Völkern zugeschrieben wird (etwa bei sprachlichen Tabus oder beim mit bestimmten Namen verbundenen Aberglauben).
 
 Sprache und Gesellschaft
 
So wie Sprache im Rahmen einer Gesellschaft kommunikative und identitätsstiftende Funktionen besitzt, so beeinflusst die Gesellschaft auch die Sprache. Dies wird insbesondere daran deutlich, dass innerhalb einer Sprachgemeinschaft in der Regel unterschiedlich motivierte Sprachformen (Varietäten) existieren. Durch die Bindung an eine soziale Gruppe bestimmt (Soziolekte) sind z. B. schichtspezifische, fachspezifische (Fach- und Berufssprache), geschlechtsspezifische (Frauensprache), altersspezifische (Jugendsprache) oder an bestimmte »Sondergemeinschaften« beziehungsweise Randgruppen gebundene Varietäten (Rotwelsch). Räumlich gebundene, zum Teil auch sozial bedingte Varietäten sind u. a. die Dialekte. Varietäten konstituierend sind außerdem spezifische Verwendungssituationen (z. B. Alltagssprache, Sprache des öffentlichen Verkehrs, Verwaltungssprache). Ebenfalls in diesem Zusammenhang steht die Differenzierung zwischen Standardsprache (Hochsprache) als der überregionalen, als Verständigungsmittel im öffentlichen Leben fungierenden Sprachform (Leitvarietät) und Umgangssprache als der in informellen, privateren Situationen angemesseneren Sprachausprägung, die oft in regional unterschiedlichen Formen auftritt. Zu nennen sind schließlich noch die medial begründeten Varietäten »gesprochene Sprache« und »geschriebene Sprache«. Weitere Differenzierungen sind möglich, bis hin zu den an den Einzelsprecher gebundenen Varietäten, den Idiolekten. Vor diesem Hintergrund kann man mit der Bezeichnung einer Einzelsprache (z. B. »Deutsch«) sowohl die jeweilige Standardsprache, die Leitvarietät, meinen (etwa wenn man von einer Grammatik des Deutschen spricht), als auch die Menge aller Varietäten.
 
Die Existenz unterschiedlicher Varietäten, besonders aber die Tatsache, dass diese Varietäten in und aus ihrem jeweiligen Zusammenhang heraus motiviert und dadurch gerechtfertigt sind, ist im alltäglichen Sprachverständnis wie im öffentlichen Umgang mit Sprache nicht ausreichend präsent. Sehr häufig werden mit einzelnen Varietäten (in der Regel negative) Bewertungen verbunden und die geschriebene Standardsprache wird als allgemeiner Maßstab für jeglichen Sprachgebrauch angesehen. Im Hinblick auf die Notwendigkeit einer Leitvarietät für den überregionalen öffentlichen Sprachgebrauch sowie für internationale Beziehungen ist die normative Festsetzung einer Varietät als Standardsprache zweifellos begründet; jeglicher Sprachgebrauch an dieser Norm ausrichten zu wollen, würde jedoch die wichtige Funktion der verschiedenen Varietäten innerhalb einer komplexen, in vielfacher Hinsicht heterogenen Sprachgemeinschaft grundlegend verkennen.
 
Von der Existenz von Varietäten innerhalb einer Sprachgemeinschaft zu unterscheiden sind die Fälle, in denen in einer Gesellschaft zwei oder mehr verschiedene Sprachen gesprochen werden (Zwei- beziehungsweise Mehrsprachigkeit), wie z. B. in Belgien, der Schweiz, den USA, in vielen afrikanischen Ländern, aber auch (wenn auch in eingeschränktem Maße) in Deutschland (Dänisch, Friesisch und Sorbisch als Minderheitensprache sowie die Sprachen der in Deutschland lebenden Ausländer). Durch Mobilität, Migration und politisch-wirtschaftliche Integration werden Gesellschaften in zunehmendem Maße mehrsprachig werden.
 
 Sprachwandel und Sprachevolution
 
Das vielfältige Verwobensein von Sprachen mit den verschiedensten sozialen wie kulturellen Zusammenhängen ist ein wichtiger Grund für die spezifische Eigenschaft natürlicher Sprachen, sich zu verändern, historischem Wandel zu unterliegen. So kann Sprachwandel u. a. in Kriegen, Vertreibungen, Aus- oder Einwanderungen (z. B. in politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen), aber auch durch Einflüsse anderer Sprachen und Varietäten begründet sein. Diesen äußeren Faktoren stehen innersprachliche Ursachen für den Sprachwandel gegenüber, wobei je nach sprachtheoretischer Ausrichtung mehr die äußeren oder inneren Ursachen gewichtet werden. Innersprachliche Faktoren sind die Sprachökonomie (die Tendenz zur Vereinfachung sprachlicher Systeme) sowie die Neigung sprachlicher Systeme zur Analogiebildung, das heißt zur Angleichung von Ausnahmen an die Regel.
 
Vom Sprachwandel sind alle Teilsysteme natürlicher Sprachen betroffen. Beispiele im Deutschen sind u. a. für den Lautwandel die Lautverschiebungen, für den morphologischen Wandel die Zunahme der schwachen Flexion bei Verben (z. B. »fragte« gegenüber »frug«), für den syntaktischen Wandel die Einschränkung der Wortstellungsfreiheit des mittelalterlichen Deutsch im 16. Jahrhundert, die sich u. a. in der Endstellung des finiten Verbs im Nebensatz zeigt. Bedeutungswandel kann sich als Bedeutungsverengung, -erweiterung oder als (metaphorische) Bedeutungsübertragung äußern. Lexikalischer Wandel (Veränderungen im Wortschatz) kann durch Wortbildung oder durch Übernahme aus anderen Sprachen beziehungsweise durch Aussterben von Wörtern erfolgen.
 
Die Frage nach dem Sprachursprung hat die Menschen seit jeher beschäftigt. Während der Ursprung der Sprache in vielen Kulturen als göttlichen Ursprungs beziehungsweise im Zusammenhang mit Mythen gesehen wird, hat man sowohl in der griechischen Antike als auch v. a. im 18. Jahrhundert in der Philosophie versucht, den Sprachursprung zu ergründen (u. a. É. B. de Condillac, J. G. Herder). Seit dem 19. Jahrhundert, dem Beginn einer eigentlichen Sprachwissenschaft, hat man die Frage nach dem Ursprung der Sprache fast durchweg als Problem betrachtet, das sich aufgrund der zur Verfügung stehenden Daten für immer einer wissenschaftlichen Erforschung entzieht. Neuere Forschungen in Psychologie, Biologie, Genetik, Anthropologie und verwandtern Wissenschaften haben mit neuen Analysemethoden jedoch neue, interessante Anstöße gegeben, der Frage nach dem Ursprung der Sprache wieder größere Aufmerksamkeit zu widmen.
 
 Sprache und Sprachen
 
Die Anzahl der gegenwärtig auf der Erde gesprochenen Sprachen lässt sich nicht genau feststellen, die Angaben reichen von rund 2 500 bis rund 5 500 Einzelsprachen; dies hängt mit der Schwierigkeit zusammen, Sprachen exakt als gesonderte Einheiten zu definieren und z. B. von Dialekten abzugrenzen. Problematisch ist auch die Klassifikation von Sprachen. Sie orientiert sich entweder an genetischen Kriterien, wobei verschiedene Sprachen (soweit möglich) auf eine gemeinsame Grundsprache zurückgeführt werden, oder an typologischen Merkmalen, wobei jedoch auch im Rahmen der jeweiligen Klassifikationsmodelle zum Teil sehr unterschiedliche Schemata vorliegen. Einige Sprachen gelten in genetischer Hinsicht als isoliert, das heißt, eine Verwandtschaft mit anderen Sprachen ist bisher nicht nachgewiesen (in Europa z. B. für das Baskische), bei anderen ist die Herkunft beziehungsweise Zuordnung noch nicht endgültig geklärt (z. B. beim Japanischen, Koreanischen und Vietnamesischen).
 
Die auf eine gemeinsame Grundsprache zurückgehenden Sprachen werden als Sprachfamilie bezeichnet. Darunter kann die größtmögliche Einheit genetisch zusammenhängender Sprachen (z. B. die indogermanischen Sprachen) oder eine Menge von Sprachen verstanden werden, die in einem engeren Verwandtschaftsverhältnis zueinander stehen (in diesem Fall auch als Sprachzweig bezeichnet, z. B. die germanischen Sprachen im Rahmen der indogermanischen Sprachen). Abgesehen von ihrer genetischen und typologischen Verschiedenheit sowie ihrem unterschiedlichen Kommunikationsradius unterscheiden sich Sprachen auch hinsichtlich des Grades ihrer Verschriftung (zahlreiche außereuropäische Sprachen verfügen nicht über ein verbindlich verschriftetes System), ihrer Standardisierung (Vereinheitlichung v. a. in Orthographie, Aussprache, Lexik und Grammatik) und ihrer Durchsetzung durch öffentliche Kommunikationsbereiche (z. B. staatliche Institutionen).
 
 Wissenschaftliche Beschäftigung mit Sprache
 
Zwar bezeichnet man die Sprachwissenschaft in der Regel als die Wissenschaft, die sich mit Sprache und Sprachen beschäftigt, doch ist das Phänomen Sprache aufgrund seiner Komplexität auch für viele andere Wissenschaften Gegenstand der Erforschung. Da es sich bei Sprache um ein Zeichensystem handelt, fällt die Untersuchung von Sprache auch in den Bereich der Semiotik. Sprache als Medium ihrer Untersuchungsobjekte (Texte unterschiedlicher Art) wird auch in der Philologie im engeren Sinn, der Literaturwissenschaft, den Kommunikations- und Medienwissenschaften, der Theologie, der Rechtswissenschaft und ähnlichen Fächern thematisiert, Sprache als Medium der Erkenntnis und des Denkens seit jeher schon in der Philosophie. Im 20. Jahrhundert nimmt die Sprachphilosophie, insbesondere in der analytischen Philosophie, eine zentrale Position innerhalb der Philosophie ein. Die Sprache im soziokulturellen Kontext wird untersucht von der Soziologie, der Ethnologie, der Sozialpsychologie, den Kulturwissenschaften und der Geschichtswissenschaft, die Sprache als psychisches und biologisches Phänomen in der Psychologie, der Biologie, der Neurophysiologie, der Genetik und der Anthropologie. Unter dem Gesichtspunkt des Verhältnisses von natürlichen und formalen Sprachen, insbesondere im Hinblick auf die Sprachverarbeitung, die Darstellung mentaler Wissensstrukturen und die Modellierung kognitiver Prozesse, ist die Beschäftigung mit Sprache auch für die Informatik, insbesondere die Künstliche-Intelligenz-Forschung (KI-Forschung) von zentraler Bedeutung. All diese Wissenschaften unterscheiden sich jedoch insofern von der Sprachwissenschaft, als bei ihnen Sprache nur unter bestimmten Aspekten thematisiert wird, während es in der Sprachwissenschaft um Sprache an sich geht, die Sprache beziehungsweise die Sprachen im Zentrum stehen, mit dem Ziel, sie möglichst umfassend und vollständig zu erfassen, zu beschreiben und zu erklären.
 
 
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S. u. Kultur, hg. v. H.-D. Schlosser (2000).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
 
Denken: Wahrnehmen, Erinnern, Wollen und Handeln
 
Kommunikation und Sprache
 
Sprache: Varietäten, Familien, Stämme
 
Sprache: Einige allgemeine Eigenschaften
 
Phonetik und Phonologie
 
Schrift: Festhalten von Sprache
 
Wörter in ihrer lexikalischen und grammatischen Dimension
 
Syntax: Gliederung von Sätzen
 
Semantik: Bedeutungen von Wörtern und Sätzen
 
Pragmatik: Sprache in bestimmten Situationen
 
Mensch: Auf der Suche nach den Ursprüngen des typisch Menschlichen
 
Sprachforschung: Über den Ursprung der Sprache
 
Verkehrs- und Bildungssprachen im Alten Orient
 
II
Sprache,
 
im eigentlichen Sinne die menschliche Sprache, die eine so zentrale, komplexe und vielseitige Erscheinung ist, dass sie sich einer einfachen Definition entzieht.
 
Von der Psychologie wird sprachliches Geschehen v. a. unter dem Aspekt individuellen Erlebens und Verhaltens sowie ihrer Bedingungen im Individuum erfasst. Aufnehmen, gedankliches Verwenden und Produzieren von Sprache werden als spezifische Formen der Wahrnehmung und des erkenntnismäßigen Handelns verstanden, die durch bestimmte Dispositionen ermöglicht werden.
 
Die Sprachfähigkeit des Menschen beruht auf seiner organischen und kognitiven (geistigen) Ausstattung. Die Sprechorgane (Lunge, Luftröhre, Kehlkopf, Rachen-, Mund- und Nasenhöhle) sind bei höheren Säugetieren zwar ähnlich ausgebildet, dienen dort allerdings vorrangig Atmung, Nahrungsaufnahme und Wahrnehmung. Nur beim Menschen hat sich im Laufe der Phylogenese eine kognitive Funktion ausgebildet, die die Sprechorgane bei der Produktion strukturierter Lautketten steuert und die Analyse (Dekodierung) der durch das Gehör wahrgenommenen Lautketten ermöglicht.
 
Zu unterscheiden sind mehrere Schichten der Sprachfähigkeit:
 
1. Der Mensch besitzt eine angeborene artspezifische Fähigkeit, eine Sprache zu erlernen. Nach N. Chomsky wird diese »latente Sprachstruktur« in einer bestimmten Reifungsphase (etwa zwischen dem 1. und 4. Lebensjahr) durch die in der Umgebung gesprochene Sprache realisiert und aktualisiert. Die Leichtigkeit und Geschwindigkeit, mit der unbeeinträchtigte Kinder ihre Muttersprache erwerben, deutet darauf hin, dass alle menschlichen Sprachen einem vorgeprägten Typus angehören.
 
2. Der Mensch besitzt Kompetenz in einer bestimmten Einzelsprache, das heißt, er hat ein System von Einheiten und Regeln übernommen, das Laut und Bedeutung in spezifische Beziehung setzt. Diese Kompetenz befähigt ihn zu kreativem Sprachgebrauch, das heißt zur Bildung und zum Verstehen neuer, vorher nie gehörter Sätze, zur Beurteilung der sprachlichen Korrektheit von Äußerungen sowie zum Erkennen von Mehrdeutigkeiten und Bedeutungsgleichheiten. Im Unterschied zur latenten (»verborgenen«) Sprachstruktur ist diese Kompetenz auch eine umweltbedingte und somit soziale Fähigkeit.
 
3. Der Mensch besitzt eine kommunikative Kompetenz, das heißt die Fähigkeit, die Sprache in sozialer Interaktion zur Verwirklichung seiner Absichten situativ angemessen zu verwenden.
 
Sprachen dienen der menschlichen Kommunikation, das heißt der Mitteilung von Gedanken, dem Ausdruck von Gefühlen und der Durchsetzung von Absichten aufgrund ihres Zeichencharakters. Unter dem Einfluss der Sprechakttheorie und der Pragmatik (Lehre vom sprachlichen Handeln) setzte sich die Auffassung durch, dass das Sprechen einer Sprache auch eine Form regelgeleiteten sozialen Handelns darstellt. - Sprachentwicklung.
 
III
Sprache,
 
im weiteren Sinn die Bezeichnung für Kommunikationssysteme unterschiedlicher Art. Man unterscheidet die natürlichen menschlichen Sprachen (Sprachen im engeren Sinn), die künstlichen Sprachen, formale Sprachen, von denen die Programmiersprachen ein Teilgebiet bilden, aber auch mit Symbolen arbeitende Zeichensprachen (z. B. Gebärdensprache, Morsealphabet). Eine allgemein gültige Definition für Sprache gibt es nicht. Alle bisherigen Definitionen berücksichtigen jeweils nur bestimmte Aspekte.
 
Natürliche Sprachen sind hierarchische Systeme, d. h. Systeme aus Einheiten, die mit anderen Einheiten zu komplexeren Einheiten zusammengefügt werden können. Die kleinsten Einheiten der gesprochenen Sprache sind die Laute (Phoneme) bzw. in der geschriebenen Sprache die Grapheme, die nächsthöheren die Morpheme, die nach bestimmten Regeln zu Wörtern bzw. Wortformen kombiniert werden können. Aus Wörtern werden schließlich über Wortgruppen (Phrasen) bzw. Satzglieder nach den Regeln der Syntax Sätze aufgebaut. Die Bedeutung der sprachlichen Ausdrücke zu entschlüsseln ist Gegenstand der Semantik. Gebräuchlich ist auch die Aufgliederung einer Sprache in Grammatik und Lexikon, wobei unter Grammatik das Regelsystem, unter Lexikon der Wortschatz einer Sprache verstanden wird. Die angeführten Strukturmerkmale von Sprache werden in der Linguistik untersucht.
 
Die entscheidende Differenz natürlicher Sprachen zu künstlichen Sprachen (z. B. Esperanto) liegt in ihrer Entstehung. Während natürliche Sprachen historisch gewachsen sind, verdanken künstliche Sprachen ihre Existenz einer willkürlich durch bestimmte Interessen motivierten Setzung, z. B. um eine bessere internationale Verständigung über alle Einzelsprachen hinweg zu ermöglichen. Formale Sprachen und Programmiersprachen sind wie die natürlichen Sprachen hierarchisch aufgebaut und über eine Grammatik strukturiert. Die Regeln des Sprachaufbaus sind aber klarer festgelegt und lassen nur eindeutige Bedeutungen zu.

* * *

Spra|che, die; -, -n [mhd. sprāche, ahd. sprāhha, auch: Rede; Beratung, Verhandlung; zu ↑sprechen]: 1. <o. Pl.> Fähigkeit des Menschen zu sprechen; das Sprechen als Anlage, als Möglichkeit des Menschen sich auszudrücken: die menschliche S.; S. und Denken; Die Natur hat dem Menschen nicht die S. gegeben, damit er den Mund hält (Bieler, Bonifaz 150); der Mann starrte ... nur maßlos erschreckt und blöde ... und blieb ... gänzlich ohne Verstand und S. (Ransmayr, Welt 57); *jmdm. bleibt die S. weg, verschlägt es die S. (jmd. ist sehr überrascht, weiß nicht, was er sagen soll); jmdm. die S. verschlagen/(geh.:) rauben (jmdn. sehr überraschen, für jmdn. kaum zu fassen sein): das, was der Computer preisgegeben hat, hat mir die S. verschlagen: Ich habe eine Schwester (Straessle, Herzradieschen 177). 2. <o. Pl.> (meist in bestimmten Wendungen) das Sprechen; Rede: Jürgen zögert mit der S. (Chotjewitz, Friede 240); *die S. auf etw. bringen/etw. zur S. bringen (etw. zum Thema des Gesprächs machen, von etw. zu sprechen beginnen): Wir haben den Kosovo bei den Verhandlungen öfters zur S. gebracht (Woche 3. 7. 98, 17); mit der S. [nicht] herausrücken, herauswollen (etw. Bestimmtes gar nicht, nur zögernd sagen, erzählen, eingestehen); heraus mit der S.! (ugs.; nun sprich schon!, nun sag es schon!, nun gib es schon zu!); zur S. kommen (erwähnt, besprochen werden). 3. a) Art des Sprechens; Stimme, Redeweise: eine flüssige, schnelle, tiefe, dunkle S.; ihre S. klingt rau; man erkennt ihn an der S.; der S. nach stammt sie aus Berlin; b) Ausdrucksweise, Stil: eine natürliche, schlichte, kunstlose, gehobene, bilderreiche, poetische, geschraubte, gezierte, [un]verständliche S.; die S. der Dichtung, des Alltags, der Politik, der Werbung, der Gosse, der Gegenwart, des vorigen Jahrhunderts; seine S. ist ungehobelt, arm an Worten, primitiv, ordinär; In Wahrheit ist er hilflos, weil er sich verloren hat — auch seine früher präzise S.: Sie ist erstarrt, ungelenk, abgenutzt (Woche 25. 4. 97, 29); Kein Zweifel, dass Kennedy der erste Staatsmann ist, der die S. der neuen Generation spricht (Dönhoff, Ära 191); die Jugend hat ihre eigene S.; eine freche S. führen; du könntest dich ruhig einer etwas gepflegteren S. befleißigen; ein Ausdruck aus der S. der Jäger, der Bergleute; *eine deutliche/unmissverständliche S. [mit jmdm.] sprechen, reden ([jmdm.] offen, unverblümt, energisch seine Meinung sagen); eine deutliche S. sprechen ([von Sachen] etw. meist Negatives, was nicht ohne weiteres erkennbar, zu sehen ist, offenbar werden lassen): Neben den Bildern sprechen auch die beigefügten Tabellen eine deutliche S.: Abfall wird zur Bedrohung (Vaterland 27. 3. 85, 33). 4. a) (historisch entstandenes u. sich entwickelndes) System von Zeichen u. Regeln, das einer Sprachgemeinschaft als Verständigungsmittel dient; Sprachsystem: die lateinische, deutsche, englische S.; lebende und tote, neuere und ältere -n; die afrikanischen -n; verwandte, indogermanische -n; Französisch ist eine schöne, klangvolle S.; Deutsch gilt als schwere S.; diese S. ist schwer, leicht zu lernen; es gibt auf der Welt mindestens 2 500 [natürliche] -n; mehrere -n sprechen, beherrschen; Denn ich verstünde so ziemlich alle europäischen -n (Roth, Beichte 11); Die meisten sprechen ja eine fremde S. (Schnabel, Marmor 54); etw. in eine andere S. übersetzen; sie unterhalten sich in englischer S.; Ü die S. des Herzens, der Liebe, der Leidenschaft; die S. (Verständigung mithilfe bestimmter Signale) der Bienen, der Buckelwale; Das ... Humangenomprojekt soll jetzt dafür sorgen, dass die Forscher »die S. der Gene so lesen lernen wie einen Roman von Thomas Mann« (Woche 13. 3. 98, 27); *dieselbe/die gleiche S. sprechen, reden (dieselbe Grundeinstellung haben u. sich deshalb gut verstehen); eine andere S. sprechen, reden (etw. ganz anderes, Gegensätzliches ausdrücken, zeigen); in sieben -n schweigen (scherzh.; sich überhaupt nicht äußern; [bei einer Diskussion] stummer Zuhörer sein; nach einem Ausspruch des dt. klass. Philologen F. A. Wolf [1759-1824]); b) System von Zeichen (das der Kommunikation o. Ä. dient): Programmiersprachen und andere formalisierte -n; Vor allem stehen sehr leistungsfähige höhere -n zur Verfügung, die ein ... fehlerfreieres Programmieren erlauben (Schweizer Maschinenbau 16. 8. 83, 25); die S. der [formalen] Logik.

Universal-Lexikon. 2012.

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